Kerstin Maria Pöhler

war in leitenden Positionen an verschiedenen Opernhäusern tätig (Bayerische Staatsoper, Oper Graz, Staatstheater Braunschweig). Nachdem sie die feste Bindung an ein Theater aufgeben hat, arbeitet sie seit 2009 als freischaffenden Regisseurin, Autorin und Dozentin für Schauspiel. Neben der Opernregie beschäftigt sie sich in ihrer Theaterarbeit auch mit künstlerischen Grenzüberschreitungen jenseits der Genres: Die Entwicklung von Theaterprojekten, die weniger das Abgeschlossene, sondern das Prozesshafte und Performative in den Vordergrund stellen, autobiographisches Material der Darsteller verarbeiten und die Stücke auf der Basis von Improvisation entwickeln.

 

In ihrem Schauspielprojekt Trilogie des Alters (2009-2011) erarbeite sie mit älteren Menschen autobiogrphische Theaterstücke: Dahinter behandelte die jüngste deutsche Geschichte von Diktatur, Krieg, Vertreibung und Aufbau der Bundesrepublik und wurde vom Kultursekretariat NRW ausgezeichnet. Die persönliche Vergangenheitsbewältigung der Kriegskinder und die Nachwirkungen auf ihr gegenwärtiges Leben stand hier im Mittelpunkt. Zeitraum-Traumzeit setzte sich mit dem Thema Erwartungen an das Leben, erfüllte und unerfüllte Träume auseinander. Mit uns ins Feuer.de als Auseinandersetzung mit dem Lebensende schloss die Trilogie ab.

 

Kerstin Maria Pöhler entwicktelt und schreibt in enger Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten Libretti: Der Patient (UA Regensburg 2005, Musik Thomas Barthel), Die Stadt der Blinden (UA Oper Zürich 2011, Musik Anno Schreier). In der Spielzeit 2018/19  wird die UA Schade, dass sie eine Hure war (Musik Anno Schreier) an der Deutschen Oper am Rhein folgen. Für den Komponisten Ralf Soiron hat sie das Textbuch zu der phantastischen Oper Der Goldmacher geschrieben hat. Zudem schreibt Kerstin Maria Pöhler im Berreich der Belletristik: Ihr Roman-Debut Einen Sommer lang erschien zur Buchmesse Frankfurt im Herbst 2011. Der Tanz-Roman Schar-Ptiza (Feuervogel), der viele Bezüge zum zeitgenössischen Tanz-Theater hat, ist soeben im Axel-Dielmann-Verlag, Frankfurt erschienen.

 

Auf dem Gebiet der Opernregie setzte sie sich in letzter Zeit mit Werken von Verdi, Strauss und Wagner auseinander: Zum Verdi-Jahr 2013 inszenierte sie Nabucco am Pfalztheater Kaiserslautern mit großem Erfolg. Mit dem Friedenstag in Kombination mit den Metamorphosen von Richard Strauss leistete sie 2014  einen wichtigen Beitrag zur Rezeptionsgeschichte dieses zu Unrecht vergessenen Werkes des Komponisten, wie der Rezensent Stephan Mösch in der Opernwelt schrieb. Die Inszenierung wurde zudem für den International Opera Award nominiert und in der Deutschen Bühne in der Kategorie Beste Regie und Beste Bühne zweimal erwähnt.

Ihre gefeierte Tristan und Isolde-Inszenierung am Pfalztheater im April 2016 wurde im Vergleich mit Produktionen an größeren Häusern in der Fachpresse lobend hervorgehoben.

Die Saison 2017/18  am Pfalztheater Kaiserlautern eröffnete sie mit der Inszenierung von Lucia di Lammermoor, ihre erste Belcanto-Regiearbeit, in der sie dem romatischen Klischée der "Wahnsinnigen" entgegenwirkt und den Freiheitswillen einer jungen Frau in den Vordergrund stellt. 

 

 

 

Autor: Ralf Perey

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