Kerstin Maria Pöhler

war in leitenden Positionen an verschiedenen Opernhäusern tätig (Bayerische Staatsoper, Oper Graz, Staatstheater Braunschweig). Nachdem sie die feste Bindung an ein Theater aufgeben hat, arbeitet sie als freischaffenden Regisseurin, Autorin und Dozentin für Schauspiel. Neben der Opernregie beschäftigt sei sich in ihrer Theaterarbeit auch mit künstlerischen Grenzüberschreitungen jenseits der Genres: Die Entwicklung von Theaterprojekten, die weniger das Abgeschlossene, sondern das Prozesshafte und Performative in den Vordergrund stellen, autobiographisches Material der Darsteller verarbeiten und die Stücke auf der Basis von Improvisation entwickeln.

 

Ihr Schauspielprojekt Dahinter mit alten Menschen (Mai 2009) an der Comedia Köln, das die jüngste deutsche Geschichte von Diktatur, Krieg, Vertreibung und Aufbau der Bundesrepublik thematisieren fand in Köln große Beachtung und wurde vom Kultursekretariat NRW ausgezeichnet. Die persönliche Vergangenheitsbewältigung der Kriegskinder und die Nachwirkungen auf ihr gegenwärtiges Leben stand hier im Mittelpunkt. Dieses Projekt erfährt in Zeitraum-Traumzeit eine Fortsetzung und setzt sich mit dem Thema Lebenserwartung, erfüllte und unerfüllte Träume auseinander (Premiere Juni 2010, Köln). Das Projekt Mit uns ins Feuer.de ist eine sarkastische Abrechnung mit dem Tod und schließt die Trilogie des Alters im Juni 2011 ab.

 

Zudem entwickelt Kerstin Maria Pöhler in enger Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten als Librettistin und Regisseurin Musiktheaterprojekte, die das Selbstbild und die Wahrnehmung von Welt des heutigen Menschen thematisieren: Der Patient (UA Regensburg 2005, Musik Thomas Barthel), Die Stadt der Blinden (UA Oper Zürich 2011, Musik Anno Schreier). Eine weitere UA mit Anno Schreier wird an der Deutschen Oper am Rhein in der Spielzeit 2019 folgen. Für den Komponisten Ralf Soiron hat sie das Textbuch zu der phantastischen Oper Der Goldmacher geschrieben. 

 

Auf dem Gebiet der Opernregie setzte sie sich in letzter Zeit mit den großen Choropern von Verdi und Strauss auseinander: Zum Verdi-Jahr 2013 inszenierte sie Nabucco am Pfalztheater Kaiserslautern mit großem Erfolg. Mit dem Friedenstag in Kombination mit den Metamorphosen von Richard Strauss leistete sie 2014  einen wichtigen Beitrag zur Rezeptionsgeschichte dieses zu Unrecht vergessenen Werkes des Komponisten, wie der Rezensent Stephan Mösch in der Opernwelt schrieb. Die Inszenierung wurde zudem für den International Opera Award nominiert und in der Deutschen Bühne in der Kategorie Beste Regie und Beste Bühne zweimal erwähnt.

Ihre gefeierte Tristan und Isolde-Inszenierung am Pfalztheater im April 2016 wurde im Vergleich mit Produktionen an größeren Häusern in der Fachpresse lobend hervorgehoben. 

 

 

Kerstin Maria Pöhlers Roman-Debut „Einen Sommer lang“ erschien zur Buchmesse Frankfurt im Herbst 2011. Ihr zweiter Roman Schar Ptiza erscheint im Frühjahr 2017 im Axel-Dielmann-Verlag.

 

Autor: Ralf Perey

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