Die Sache Makropulos

Staatstheater Braunschweig
ML: Jonas Alber R:Kerstin Maria Pöhler B/K: Frank Fellmann

 

Die Verzweiflung an der Unsterblichkeit

Man kann nicht über dreihundert Jahre hinweg lieben. Und man kann auch nicht über dreihundert Jahre hinweg hoffen, Dinge erschaffen und sie angaffen. Das ist nicht auszuhalten. Alles wird einem gleichgültig. Es wird einem gleichgültig, ob man gut oder schlecht ist. Himmel und Erde werden einem genauso gleichgültig. Und dann, versteht ihr, ist nichts wirklich von Dauer. Nichts besteht. Weder Sünde noch Schmerz noch Erde - überhaupt nichts. Nur die Dinge bestehen, die irgendeinen Wert haben. Und für euch hat alles einen Wert. O Gott, wenn ich nur sein könnte wie ihr! Ich wäre ein junges Mädchen, ich wäre eine Frau, ich wäre glücklich, ich - wäre ein Mensch. Gott im Himmel!

 

Diese Einsicht Emilia Martys, daß erst der Tod dem Leben seinen Sinn gibt und im Gegenzug die Verdrängung der menschlichen Endlichkeit durch eine immerwährende Jugend das Leben selbst ad absurdum führt, steht am Ende der Oper. Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst: Der Mensch kann gerade angesichts seiner Endlichkeit das Leben in einen Spannungsbogen erleben, die Lebensabschnitte in ihrer Einmaligkeit erleben, nach menschlicher Erfüllung suchen und vergehen: Vergänglichkeit kann Erlösung sein.