Nabucco

 

Giuseppe Verdi

Nabucco

Premiere am 19. Januar 2013

Musikalische Leitung Markus Bieringer

Inszenierung Kerstin Maria Pöhler

Bühne Herbert Murauer

Kostüme Dietlind Konold

Pfalztheater Kaiserslautern

 

Eine biblische Geschichte voller Widersprüche und unerwarteter Wendungen über den nicht enden wollenden Konflikt im nahen Osten: Der grausame Herrscher Nebukadnezar zerstört Jerusalem, führt das jüdische Volk in Gefangenschaft nach Babylon, bekehrt sich zum Judentum und schenkt den Judäern die Freiheit. Religion und Macht gehen eine unheilige Allianz ein. Darf man dem Frieden trauen, der aus einem Kreislauf der Gewalt erwächst?

 

Videotrailer zur Produktion

 

https://www.youtube.com/watch?v=n1HTunIx_20

 

 

 

Pressestimmen

 

 

Opernnetz

Nabucco am Pfalztheater Kaiserslautern

Frank Herkommer

21.01.2013

 

Große Oper in der Pfalz. Kerstin Maria Pöhler gelingt ein Wurf mit großartigem Orchester und großen SängerInnen...

Wie man Nabucco inszeniert, ohne dem Adornoschen Verdikt der Barbarei zu verfallen oder sich eines romantisch-idealistischen Philosemitismus zu bedienen, zeigt Kerstin Maria Pöhler mit ihrer klugen, empathischen, differenzierten, von beeindruckender judaistischer Sachkenntnis ausgezeichneten Produktion am Pfalztheater Kaiserslautern... Pöhler gelingt es, verstörend schöne Charakterbilder zu malen, die erzählen von Wahnsinn und Reue, von Eifersucht und triumphierendem Ressentiment, von Duldsamkeit und Hingabe. Sie wartet mit Bildern auf, die unvorbereitet auf Höllenfahrt schicken-erhängte Frauen und Kinder. Albträume eines im metaphorischen wie neurologischen Sinn Erwachenden, der die Killing Fields ermordeter Juden sieht und den Gefangenenchor hört. Einer der Höhepunkte der Inszenierung... Die Oper wird von Kerstin Maria Pöhler auch als Parabel verstanden auf den heutigen Nahostkonflikt, mit all seinen historisch gewachsenen Aporien. Diese Reise nach Jerusalem, in der einer dem anderen den Platz streitig macht, obwohl genug Stühle für alle da wären-schon während der Ouvertüre plastisch zum Ausdruck gebracht....

Als kongenialer Partner zeigt sich Bühnenbildner Herbert Muraurer. Beeindruckend die Raumaufteilung, wenn ein großformatiger Vorhang, Gardine und Schals, die Bühne vorne abtrennt, das Hereinbrechen des Absurden in das Vertraute visualisierbar macht, des Allgemeinen in das Besondere, Schatten, Schemen, angepresste Münder, Einbruch des Irrationalen und des Bedrohlichen. Weltgeschehen und Individualgeschichte, Interdependenzen werden sichtbar, ohne einem teleologischen Geschichtsbild zu dienen, das den Einzelnen zum bloßen Objekt machte. Großartige Leistung des Bühnenbildners, der die Qualität der Kostüme von Dietlind Konold in nichts nachsteht...

Markus Bieringer, stellvertretender GMD, leitet mit Temperament, großer Emphase, Verve und Leidenschaft das Orchester des Pfalztheaters durch einen großen Verdiabend...Überragend die Besetzung der einzelnen Rollen. Eine Mischung aus Hauskräften und Gästen, bei der man nicht weiß, von wem man als erstes schwärmen soll...Den hervorragenden Gesamteindruck bestätigt der Chor und Extrachor des Pfalztheaters unter Leitung von Ulrich Nolte. Große Choroper!

Das Premierenpublikum zeigt sich begeistert von der Produktion. Beim Premierenfeiernplausch zeigt man sich stolz auf das unglaubliche Niveau der Sängerinnen und Sänger, die fantastische Orchesterleistung, die anspruchsvolle Inszenierung. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Dabei würden so viele gerne noch ein zweites und drittes Mal diese Ausnahmeproduktion genießen.

 

Der Opernfreund

Nabucco

Jochen Rüth

23.1.13

„Va, pensiero, sull'ali dorate“ – Der Gefangenenchor aus Nabucco ist einer der szenischen Höhepunkte der uneingeschränkt empfehlenswerten Inszenierung des Werkes am Pfalztheater Kaiserslautern... Kerstin Maria Pöhler erliegt nicht der Versuchung, die Geschichte um Machtanspruch und Judenmord platt als Holocaust-Drama oder als Spiegel des aktuellen Nahost-Konfliktes zu inszenieren, obgleich es sehr wohl Hinweise in diese Richtungen gibt...

Die intensiven Bilder werden durch ein durch die Bank ausnehmend überzeugend agierendes Sängerensemble mit Leben gefüllt. Karsten Mewes in der Titelrolle ist ein wunderbarer Sängerdarsteller, der die vielschichtigen Aspekte seiner Figur auch darstellerisch zu vermitteln weiß...Als absoluter Glücksgriff erweist sich Irina Gagita. Sie verkörpert die von Neid und Machhunger zerfressene Abigaille mit einer selten gezeigten Intensität und unglaublichem Furor...Das Feuer zur auf der Bühne gezeigten Leidenschaft wird von Markus Bieringer im Graben gelegt...

 

Rheinpfalz 

Kein Leben an der Klagemauer

Frank Pommer

Mit der Nabucco-Inszenierung von Kerstin Maria Pöhler...ist dem Pfalztheater ein mehr als gelungener Start ins Verdi-Jahr 2013 geglückt...

Kerstin Maria Pöhler und ihr Team sind gut beraten, Totaltransfers in die Aktualität zu vermeiden. Es geht eben nicht nur um den Nahost-Konflikt oder den Arabischen Frühling...Es geht um den Menschen. Um seinen Glauben - an Gott? Vielmehr an sein Recht auf Freiheit. Die Freiheit zu lieben. Zu töten. Es geht um Wahn und Größenwahn. Denn die Hölle, das sind die anderen. Und wir selbst...Pöhler rückt den Vater-Töchter Konflikt zwischen Nabucco und Abigaille bzw. Fenena in den Mittelpunkt. Nabucco benutzt seine Töchter als Machtsicherheitsmaßnahmen, notfalls deren Tod in Kauf nehmend...Es kommt zu einem symbolischen Vatermord, zu einer Demütigung durch Abigaille, die ihn der Lächerlichkeit in langen Unterhosen preisgibt. Da ist Nabucco wortwörtlich verrückt... Wider bei Sinnen wird er sich rächern. In der Schlussszene ersticht er Abigaille, und niemand glaubt mehr so wirklich an seine Bekehrung zum Gott der Juden. Die Regie jedenfalls mit Sicherhheit nicht...